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"Steintisch", "Kuhweide", "Am roten Stein" - Was hat das zu bedeuten?

veröffentlicht um 17.04.2017, 12:49 von Markus Knauf
An zahlreichen Mittagstischen im und um den Ebsdorfergrund trägt sich täglich folgendes Gespräch zu: „Na, wo wart Ihr denn heute im Wald?“. „Am roten Stein!“, „An der Affenstelle!“, „Beim Zwergenhäuschen!“ lautet dann die Antwort – je nachdem, zu welchem Frühstücks- und Spielplatz die Kinder an diesem Tag gewandert sind. Beliebt sind auch der „Steintisch“, die „Insel mit zwei Wurzeln“, die „Kuhweide“, oder „um die Ecke“.

So klar und deutlich diese Antwort ausfallen kann, so nebulös und phantasievoll sind die Erklärungen der Kinder, woher ein solcher Platz seinen Namen hat. Manchmal steht am „Zwergenhäuschen“ tatsächlich ein Häuschen, ganz klein, für Zwerge, aus Ästen und Zweigen gebaut. Oder die Zwerge wohnen allesamt in den kleinen Baumlöchern, die es an diesem Ort im Wald so zahlreich gibt. An der „Affenstelle“ leben – je nach Erzähler – kleine Äffchen, die in den Baumwipfeln turnen, oder der Ort ist so benannt, weil die Waldbienenkinder dort vortrefflich klettern können. Am „Steintisch“ lässt sich prima frühstücken, die „Insel mit zwei Wurzeln“ liegt wahlweise in einem großen Ozean und lässt sich nur mit einem Piratenschiff erreichen – oder die Kinder müssen erst ein Blättermeer durchqueren, um dorthin zu gelangen. „Um die Ecke“ ist tatsächlich um die Ecke – aber um welche genau, lässt sich kaum herausfinden.

Umso klarer ist jedoch allen Kindern das Prozedere, nach dem entschieden wird, an welchen Ort morgens marschiert wird: Eine Abstimmung mit den Füßen. Nachdem im Morgenkreis von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Vorschläge gemacht wurden, werden zwei ausgesucht. Jede und jeder stellt sich anschließend zu einer Gruppe, je nach Wanderwunsch. Dann wird von einem Kind ausgezählt. So entsteht eine Mehrheitsentscheidung, mit der fast immer alle gut leben können (und ganz nebenbei wird etwas gelernt über Mengenlehre, Zählen, wie man attraktive Vorschläge macht, andere überzeugt, Niederlagen aushält, auf eine neue Chance am nächsten Tag wartet, etc.). Und dann schultern alle ihre Rucksäcke und laufen los.

Auch wenn die Details zu manchem Ort im Dunkeln bleiben, so sind sich über eines doch alle einig: Auch wenn er bisher trotz aller Mühe noch nicht gefunden wurde - am „roten Stein“ muss ein Schatz vergraben sein! Wir wünschen den Waldbienenkindern viel Glück beim Buddeln und „guten Fund“!
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